Das HKW erzeugt seit 50 Jahren Fernwärme und Strom

Tag der offenen Tür am 20. September 2015 gab Einblicke in moderne Technik und Klimaschutz

HKW informiert
Bildbeschreibung:

Pforzheim - 20.09.2015: Vor 50 Jahren, genau gesagt am 4. Januar 1965, nahm das Heizkraftwerk Pforzheim seinen Betrieb am Standort Hohwiesenweg auf und speiste erstmals Strom ins Netz der Stadtwerke Pforzheim ein. Zum 50-jährigen Jubiläum öffnete das HKW beim landesweiten Energiewendetag am Sonntag, 20. September 2015, von 12-17 Uhr seine Tore für die Besucher. Unter anderem präsentierten HKW-Geschäftsführer Martin Seitz und sein Team den neuen HKW-Film. Bei einem Rundgang konnten die Besucher das HKW selbst erkunden. Die Resonanz war riesig. Es kamen rund 900 interessierte Besucher. Das Feedback war durchweg positiv.

Seit 1953 Fernwärme in Pforzheim

Die Geschichte der Fernwärme in Pforzheim begann schon 1953. Vom damaligen Gaswerk wurde eine 4km lange Dampfleitung bis zur Stadtmitte verlegt, angeschlossen wurden das Städtische Krankenhaus, das Emma-Jäger-Bad sowie einige Industriebetriebe. Die Wärmeerzeugung erfolgte durch drei vorhandene Kessel, mit einer kleinen Turbine wurde auch schon Strom produziert.

Im Juli 1962 machten die Stadtwerke und der Gemeinderat dann Nägel mit Köpfen:
Mit der Zustimmung zum Bau eines Heizkraftwerks am Standort Hohwiesenweg und zur Ausweitung des Fernwärmenetzes wurde der Grundstein zur Erfolgsgeschichte der Fernwärmeversorgung in Pforzheim gelegt. Die Entscheidung der Gemeinderatsmitglieder war sehr vorausschauend, denn zu dieser Zeit beherrschten Kohle und Öl den Wärmemarkt. Bis Ende 1964 wurde das Kessel- und Maschinenhaus mit seinem markanten 100 Meter hohen Schornstein gebaut. Zwei mit Kohle und Schweröl befeuerte Dampfkessel mit nachgeschalteter Turbine wurden installiert, die ab Anfang 1965 Strom und Fernwärme für Pforzheim lieferten. 1969/1970 wurde diese erste Ausbaustufe durch einen weiteren Dampfkessel mit zwei Turbinen komplettiert.

Basistechnik Kraft-Wärme-Kopplung

Die damalige Entscheidung war richtungsweisend, denn dadurch legte man sich von Anfang an auf die Technik der Kraft-Wärme Kopplung fest. Hierbei entstehen in einem gekoppelten Prozess 2 Energiearten: Strom und Wärme. Mit einem Brennstoffnutzungsgrad von bis zu 80 % spart die Kraft-Wärme-Kopplung gegenüber konventionellen Kraftwerken oder Heizwerken Brennstoff ein, schont Ressourcen und vermindert Emissionen. Alle weiteren Ausbaustufen basieren ebenfalls auf diesem Prinzip.

Steigender Fernwärmebedarf erfordert weitere Ausbaustufen

Der stetige Ausbau des Fernwämenetzes in Pforzheim, unter anderem durch neue Wohn- und Gewerbegebiete erforderte im HKW zwischen 1977-1989 zwei weitere große Ausbaustufen. Zunächst wurde ein Gaskombiblock mit einem Abhitzekessel und 2 Turbinen errichtet. Ein Jahrzehnt später erfolgte einer weitere Großinvestition in einen mit Kohle befeuerten Wirbelschichtkessel mit nachgeschalteter Turbine. Trotz der hierdurch resultierenden erheblichen Ausweitung der Fernwärme- und Stromerzeugung konnten die Gesamtemissionen durch moderne Technik in der Rauchgasreinigung gegenüber den dann stillgelegten ersten Kesselanlagen reduziert werden.

Vom SWP-Betriebszweig zur Gesellschaft

Viele Jahre lang war das HKW ein Betriebszweig der Stadtwerke Pforzheim. Der erzeugte Strom wurde an die SWP abgegeben und intern vergütet. Dieser Zustand änderte sich gravierend mit der 1998 vollzogenen Neuordnung des Energiewirtschaftsrechts. Mit der wettbewerbsorientierten Öffnung des Strom- und Gasmarktes war auch beim HKW die Zeit einer gesicherten Stromabgabe zu längerfristig festgelegten Preisen vorbei. Um auch unter den neuen Rahmenbedingungen weiterhin wirtschaftlich bestehen zu können, wurde das HKW 1998 zu einer eigenständigen Gesellschaft in Form einer GmbH, an der neben dem Hauptgesellschafter SWP Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co. KG, die EnBW Energie Baden-Württemberg AG und die Thüga AG beteiligt sind. Während die erzeugte Fernwärme weiterhin an die SWP zur Belieferung der Endkunden verkauft wird, vermarktet das HKW seitdem den erzeugten Strom selbst.

Einstieg in regenerative Brennstoffe

Als der Gesetzgeber im Jahr 2000 mit dem Erneuerbare - Energien - Gesetz den Einsatz von Biomasse für die Stromerzeugung durch gesetzlich garantierte Stromerlöse wirtschaftlich für 20 Jahre absicherte, war das HKW Pforzheim bei den ersten, die diese Chance nutzten. Von 2002 - 2004 wurde ein Biomasse - Heizkraftwerk  mit Hochdruckkessel und Turbine geplant und errichtet, das Anfang 2005 den geregelten Betrieb aufnehmen konnte. Mit dieser ökologisch vorbildlichen Erzeugung von Strom und Fernwärme mit dem Einsatz von Altholz hat das HKW die Energiewende schon vorweggenommen.
Erweitert wurde die Palette der regenerativen Brennstoffe durch die Mitverbrennung von  Klärgas und vor allem ab 2009 von sogenannten  Ersatzbrennstoffen im Wirbelschichtkessel. 25 % des Kohleeinsatzes konnten hierdurch ersetzt werden.

Umweltschutz durch Rauchgasreinigung

Das HKW verfügt für die Verbrennung von Biomasse sowie von Kohle und Ersatzbrennstoffe jeweils über hochwirksame Rauchgasreinigungsanlagen. Durch deren Einsatz werden die strengen gesetzlichen Emissionen deutlich unterschritten. Durch die Fernwärmeversorgung Pforzheims aus dem HKW werden 20.000 Einzelfeuerungsanlagen vermieden, die ihre Abgase ungereinigt an die Umwelt abgeben würden - ein wichtiger Beitrag zur Luftreinhaltung in Pforzheim.

Klimaschutz durch Einsparung von Treibhausgasen

Laut EU-Vorgabe sollen auf Grundlage der Klimaschutzabkommen von Kyoto im Jahr 2020 insgesamt 20% der Treibhausgase (wie z. B. Kohlendioxid und Methan) gegenüber dem Basisjahr 1990 eingespart werden. Dieses Ziel ist für die Stadt Pforzheim allein durch das HKW bereits heute erreicht. Im HKW fällt ausschließlich das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) an, und dies in weit geringerem Maß, als es bei der getrennten Erzeugung von Strom und Fernwärme, d.h. ohne Kraft-Wärme -Kopplung, der Fall wäre. Ein wichtiger Beitrag zur Reduktion der Treibhausgase ist der Einsatz von CO2 - neutraler Biomasse, die in Pforzheim zur Erzeugung der Grundlast genutzt wird.

Fernwärme: auch für die Zukunft ein kluges Konzept

Derzeit besteht das HKW Pforzheim aus zwei wesentlichen Anlagen, dem Biomasseblock und dem Wirbelschichtblock. Hinzu kommen zwei Spitzenlastkessel zur Abdeckung des Wärmebedarfs im Winter. Etwa die Hälfte des Bedarfs zur Raumheizung und Brauchwassererwärmung in Pforzheim wird heute durch Fernwärme aus dem HKW abgedeckt. Das Fernwärmenetz wurde auf mittlerweile 107 km Länge ausgeweitet.
Und für Fernwärme spricht auch in Zukunft einiges:
Fernwärme ist ein äußerst flexibler und damit stets entwicklungsfähiger Energieträger. Die zur Erzeugung eingesetzten Primärenergieträger sind austauschbar, der jeweilige Brennstoff-Mix bestimmt sich aus wirtschaftlichen Gegebenheiten und ökologischen Zielsetzungen. Waren es in der Vergangenheit Kohle, Heizöl und Gas, so haben im HKW Pforzheim im Zeitalter der Energiewende regenerative Brennstoffe wie Biomasse, Ersatzbrennstoffe und Klärgas einen wesentlichen Anteil übernommen. An dieser Entwicklung wird das HKW stetig weiterarbeiten. Der Energieträger Fernwärme eröffnet auch künftig alle Möglichkeiten einer sicheren, wirtschaftlichen und ökologischen Deckung des Wärmebedarfs in Pforzheim. Darüber hinaus kann die Fernwärme auch zur Erzeugung von Kälte dienen, die zur Klimatisierung von Wohnungen, Büros und Industriebetrieben sinnvoll einsetzbar ist.

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